Die Besenheide - Blume des Jahres 2019

Willkommen bei der Mitmach-Aktion "Blume des Jahres 2019"!

Die Loki Schmidt Stiftung hat am 08.Oktober 2018 die Besenheide (Calluna vulgaris) zur Blume des Jahres 2019 gekürt, um für den Schutz der Artenvielfalt in ihren Lebensräumen zu werben. Mit der Benennung der Besenheide zur Blume des Jahres 2019, setzt die Loki Schmidt Stiftung ein Zeichen für den Teil unseres gemeinsamen europäischen Kulturerbes, den einst die Heidebauern mit Hilfe des Feuers geformt haben. Gleichzeitig will die Stiftung für den Schutz der Besenheide an ihren anderen Wuchsorten werben: An Waldrändern, in Sandgruben und Dünen, in Hochmooren, auf älteren Brachen und selbst an Straßenrändern kommt die Blume des Jahres 2019 vor. Ihre Zukunft hängt davon ab, dass wir auch diese Lebensräume pflegen und erhalten. Aus diesem Grund ruft die Stiftung in einer Mitmach-Aktion alle Interessierten dazu auf, Beobachtungen zur Besenheide zu melden.

Wissenswertes zur Besenheide (Calluna vulgaris)

Allgemeines

Heidekraut. Noch vor 100 Jahren begegnete es uns als typisch violettes Meer im Spätsommer. Seitdem ist viel geschehen. Die weiten Heidelandschaften verschwinden nach und nach. Vielerorts fallen sie vor allem der intensiven Landwirtschaft, der Unternutzung, der Zersiedelung und ganz generell der Eutrophierung zum Opfer. Damit steht der Rückgang der Heidearten sinnbildlich für den Rückgang nahezu aller an trocken-magere Lebensräume angepassten Arten.

Und wie Loki Schmidt schon über die Heide sagte: „Es hat ewig lange gedauert, in einige Köpfe hineinzukriegen, dass eine Heide eine Kulturlandschaft ist und keine ursprüngliche Natur“. Heideflächen gehören zu den pflegeabhängigen Kulturlandschaften. Das bedeutet die Sukzession (Verbuschung) wird durch regelmäßige, intensive Pflegemaßnahmen verhindert. Was damals Bauern durch kontrolliertes Abbrennen und Abplaggen der Heide geschafft haben, wird heute durch händisches Entkusseln der aufwachsenden Gehölze sowie durch eine angepasste Beweidung erreicht. Da solche Pflegemaßnahmen hauptsächlich in Naturschutzgebieten durchgeführt werden, überdauern dort die größten Bestände der Blume des Jahres 2019. Außerhalb der Schutzgebiete sind große Vorkommen der Besenheide eine Seltenheit und werden voraussichtlich noch weiter zurückgehen.

Mit der Benennung des Heidekrauts, der Gewöhnlichen Besenheide (Calluna vulgaris) zur Blume des Jahres 2019 will die Loki Schmidt Stiftung auf diese Gefährdung und den Verlust ihrer Lebensräume aufmerksam machen

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    Calluna vulgaris (Besenheide)
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    © Udo Steinhäuser
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    © Hermann Timmann
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    © Hermann Timmann

Äußere Merkmale

Die Besenheide ist bei uns in der zentralen Heideregion die typischste Pflanze und prägt mit ihrer violetten (auch manchmal weißen) Blüte maßgeblich den sommerlichen Augenschmaus der alljährlichen Heideblüte. Sie ist ein immergrüner, verholzender Zwergstrauch. Viele kennen die Besenheide, die im Übrigen bis zu 40 Jahre alt werden kann, als einen knöchelhohen Strauch. Bei ungestörter Entwicklung kann die Pflanze aber tatsächlich bis zu 100 cm hoch wachsen. Calluna vulgaris blüht dann in der Regel von August bis Ende September, wenn sie nach ihrem vierten Lebensjahr blühreif geworden ist. Die nickenden, zwittrigen und vierzähligen Blüten stehen dann in einem dichten, traubigen Blütenstand zusammen. Die jeweils vier Kron- und Kelchblätter sind gleich gefärbt; letztere sind doppelt so lang wie die eher unscheinbare Krone. Neben acht Staubblättern, sind Staubbeutel mit jeweils zwei hornartigen Anhängseln vorhanden.

Verwechslungsmöglichkeiten

Calluna vulgaris kann mit teilweise recht ähnlich aussehenden, verwandten Erica-Arten verwechselt werden. Sie unterscheidet sich aber leicht durch ihre schuppenförmig an den Ästchen anliegenden und nach oben eingerollten, ledrigen gegenständigen Blätter, die wenige Millimeter lang sind. Oftmals wird die Besenheide auch mit der Knospenheide verwechselt, die heute von größter gärtnerischer Bedeutung ist. Bei der Knospenheide handelt es sich allerdings um eine Sorte die stets im Knospenstadium verharrt, weder aufblühen, noch verwelken kann und deshalb eine langfristige Schauwirkung hat.

Gefährdung

Die ursprünglichen Heidegebiete, in denen sich Calluna vulgaris einst so stark verbreitet hat, sind in Europa seit 1850 um mehr als 80% zurückgegangen. Von der Existenz dieser Kulturlandschaftsform sind außer der Blume des Jahres zahlreiche andere Pflanzen- und Tierarten abhängig, von denen viele auf den Roten Listen der gefährdeten Arten stehen. Durch den Schutz und den Erhalt der verbliebenen Restbestände der Heidelandschaft, kann ein Aussterben der vielen, angepassten Arten verhindert und so unser Kulturerbe auch für die Folgegenerationen bewahrt werden.

Besonderheiten

Calluna vulgaris ist eine bemerkenswerte Pflanze, deren nähere Betrachtung in jedem Fall lohnend ist. Ihre Anpassung an äußerst magere und trockene Böden ist besonders interessant. Als Tiefwurzler kann sich die Besenheide so mit Grundwasser versorgen. Außerdem verhilft eine spezielle Symbiose mit einem Pilz (die sog. Mykorrhiza) der Art zu ausreichend Wasser und Nährstoffen. Es gibt noch eine weitere interessante Anpassung mit der sich die Pflanze vor zu viel Verdunstung schützt: Ihre Spaltöffnungen (Poren über die eine Pflanze Sauerstoff und Wasser abgibt und Kohlenstoffdioxid aufnimmt) befinden sich ausschließlich auf der Blattunterseite und sind zusätzlich von Haaren geschützt.

Darüber hinaus spielt die Besenheide in der Insektenwelt eine wichtige Rolle, denn sie ist bei zahlreichen bestäubenden Insekten, wie der Honigbiene, sehr beliebt. Und auch als Futterpflanze dient sie zahlreichen Schmetterlingsarten und deren Raupen.

Warum sind Beobachtungsdaten wichtig?

Es ist wichtig zu wissen, wie sich unsere Pflanzenwelt verändert. Am Vorkommen einer Pflanzenart hängen oft mehrere Tierarten ab. In den Bundesländern Berlin und Hamburg ist die Besenheide mittlerweile auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. In den Ländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg steht Calluna vulgaris schon auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Ein Grund mehr nach den letzten Vorkommen der Art Ausschau zu halten, um zeitnah geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. Dazu müssen wir erfahren, wie die Blume des Jahres 2019 in Hamburg, Schleswig-Holstein aber auch bundesweit aktuell verbreitet ist. Hierfür sind auch Schätzungen der Bestandsgrößen hilfreich.

 

Machen Sie mit!

Die AG Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. unterstützt die Mitmach-Aktion auf dem Schleswig-Holstein-Portal mit einer Aktionsseite, die für jeden offen steht und über den Aktionszeitraum ab März 2019 verfügbar ist.

Und so funktioniert es:

  1. Klicken Sie auf den Link unten zur Eingabe einer Beobachtung
  2. Geben Sie das Beobachtungsdatum und den Fundort an. Optional können Sie noch weitere Angaben zu Ihrer Beobachtung machen.
  3. Abschließend speichern Sie das Formular.
  4. Ihre gespeicherten Beobachtungen finden Sie unter Beobachtungen (Berichts-Explorer)

Eingabe über die D-Flora-App:

  1. Registrierte Nutzer melden sich über die App an und aktivieren die Kartiergruppe "Blume des Jahres".
  2. Rufen Sie die Einzelbeobachtung auf und geben Ihre Beobachtung ein.
  3. Abschließend senden Sie die Daten an die Deutschlandflora.